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Geschichte der zivilen Luftfahrt

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Otto Lilienthal – Theoretiker und Praktiker der Luftfahrt
 
Stölln, 9. August 1896 - Der am 24. Mai 1848 in Anklam in Vorpommern geborene Otto Lilienthal erarbeitete sich zusammen mit seinem Bruder Gustav durch intensive Beobachtungen von Vögeln die nötigen Vorkenntnisse über die Natur des Fliegens. Mit seinem Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ erwarb er sich das Ansehen eines ernsthaften Theoretikers, dessen Erkenntnisse von den Brüdern Orville und Wilbur Wright sowie anderen Flugpionieren in aller Welt sehr geschätzt wurden. Bei ihren Studien kam den Brüdern zunutze, dass sie in ihrer Jugend aufmerksam die Störche in ihrer pommerschen Heimat beobachtet hatten. Sie bemerkten, dass die schweren Vögel zu Beginn ihres Fluges sich stets gegen den Wind stellten. Sie schlossen daraus, dass beim Anblasen durch die Luft auf der Flügeloberseite ein Sog entsteht, der bei den Vögeln für den nötigen Auftrieb sorgt.

Mit seiner Maschinenfabrik in Berlin-Steglitz, in der er Patente über Dampfmaschinen und Bergwerksmaschinen verwertete, verdiente sich Lilienthal das Geld für den Bau seiner Gleitflugzeuge. Er erprobte sie zunächst am Spitzberg in Derwitz nahe von Gross Kreutz westlich von Potsdam, später von einem 15 Meter hohen aufgeschütteten „Fliegeberg“ nahe seines Wohnhauses in Berlin-Lichterfelde, von einem 200 Meter hohen Hügel in Neustadt an der Dosse und dem Gollenberg bei Stölln in den Rhinower Bergen, 100 Kilometer nordwestlich von Berlin. In Derwitz legte der dreiundvierzig Jahre alte Lilienthal in guter körperlicher Verfassung mit seinen Gleitapparaten bis zu 25 Meter zurück. Nach jedem Flug maß er die zurückgelegte Strecke und freute sich wie ein Kind, wenn er ein paar Meter weiter geflogen war als zuvor. Der französische Flugpionier Ferdinand Ferber stellte später fest, dass ein Sommertag im Jahr 1891, als Lilienthal 15 Meter weit die Luft durchmessen hatte, der Tag gewesen sei, an dem die Menschheit das Fliegen erlernt habe. In Stölln, wo die Hänge höher und steiler waren, gelangen Lilienthal 1893 Flüge bis zu einer Weite von 250 Metern. Fortan verwendete er auch das Wort Flugzeug für den Segelapparat.

Nachdem er sich in der Luft völlig sicher fühlte, lud er Kaiser Wilhelm II. zu einer Flugvorführung ein. Der schickte Offiziere einer Luftschifferabteilung, die sich kühl und uninteressiert nach der Vorführung verabschiedeten. Vom Gollenberg bei Stölln wagte Otto Lilienthal am Sonntag, dem 9. August 1896, bei heftigem Wind mit einem tausendfach erprobten Eindecker einen weiteren Flugversuch. Es sollte sein letzter Flug werden. Eine Böe packte seinen Flugapparat wie eine Riesenfaust und schmetterte ihn 15 Meter tief zu Boden. Lilienthal blieb regungslos liegen. Er wurde in eine Berliner Klinik gebracht, wo er einen Tag später starb. Seine letzten Worte gegenüber seinem ans Krankenlager geeilten Bruder Gustav lauteten: „Opfer müssen gebracht werden“. Ob diese Formulierung aber tatsächlich von Otto Lilienthal stammt, lässt sich in keiner überlieferten Niederschrift mehr nachweisen.

Literatur: Werner Schwipps: Lilienthal, Arani-Verlag Berlin, 1979
Lilienthal, Otto: Der Vogelflug. R. Gaertners Verlag Berlin, 1889, Reprint 4. Auflage Dr. M. Sändig GmbH.
Kopfermann, Kl.: Otto Lilienthal, Flugversuche 1891 - 1896, VDI Verlag Düsseldorf, 1988 (Zusammenfassung der Veröffentlichungen Lilienthals).
Halle, G.: Otto Lilienthal und seine Flugzeuge Abhdlg.: deutsches Museum München, 1962.


 
Bildhinweis: Gleitflug Otto Lilienthals mit dem großen Doppeldecker
 
rm
 
Weiterführende Informationen:
Das Lilienthal-Museum
 
 


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